Biokraftstoff ist in den letzten Jahren zu einem Modethema geworden. Seit der Klimaschutz zu einem weltweit anerkannten Ziel geworden ist, überschlagen sich Experten und Unternehmen mit Vorschlägen, wie die fossilen Energieträger durch erneuerbare Energien ersetzt werden.

In den USA ist der Biokraftstoff auch deswegen so beliebt, weil er enorme wirtschaftliche Möglichkeiten eröffnet. Die Great Plains dienten bislang vornehmlich als Kornkammer der USA. Einen Teil dieser riesigen Fläche künftig zur Erzeugung von Kraftstoffen zu verwenden, scheint wenigstens auf den ersten Blick eine formidable Idee zu sein.

Die wichtigsten Biokraftstoffe sind Biodiesel, Pflanzenöl und Bioethanol. Als Grundstoff dient oft Raps. Aber auch Getreide oder Zuckerrüben können verwendet werden. Da bei der Nutzung nur so viel CO2 ausgestoßen wird wie beim Wachstum der Pflanzen der Atmosphäre entzogen worden ist, bleibt die Klimabilanz neutral. Probleme können jedoch an anderer Stelle entstehen.

Klimaschutz darf nicht auf Kosten des lokalen Naturschutzes gehen. In den Great Plains ist die Bodenerosion, die durch die landwirtschaftliche Nutzung verursacht wird, schon heute ein riesiges Problem. Eine Lösung könnten genmanipulierte Pflanzen sein, die wesentlich mehr Ertrag bringen. Doch auch wenn immer das Gegenteil suggeriert wird, gibt es diese leistungsstarken Genpflanzen heute noch nicht.

Eine dramatische Auswirkung der Nutzung von Biokraftstoffen könnte sein, dass sie in eine Konkurrenz mit der Lebensmittelproduktion geraten. Ein Bauer wird immer die Pflanzen anbauen, die ihm den größten Profit versprechen. Dies könnte z.B. dazu führen, dass die USA langfristig weniger Lebensmittel exportieren, dafür aber Biokraftstoff in alle Welt liefern. Gerade für Entwicklungsländer könnte dies schlimme Folgen haben.

Noch erheblicher wären allerdings die Auswirkungen, wenn arme Länder auf ihren Feldern z.B. Raps anbauen, um Biokraftstoff herzustellen und als Folge die eigene Bevölkerung nicht mehr versorgt werden kann. Das sind keineswegs Hirngespinste, denn die Vergangenheit hat oft gezeigt, dass das Profitdenken auch und gerade in Entwicklungsländern eine wichtige Rolle spielt.

Der Anteil von Biokraftstoff kann in den USA in den nächsten Jahren auf 5-10 Prozent anwachsen. Das ist letztlich eine begrüßenswerte Entwicklung. Die Weltgemeinschaft muss jedoch durch entsprechende Regeln dafür sorgen, dass der Biokraftstoff nicht neue Probleme schafft. Dann wäre es auch kein Trost, dass das Klima besser geschützt wird. Denn was nutzt ein noch so gutes Weltklima, wenn gleichzeitig Menschen sterben, weil nicht mehr genügend Nahrung für sie vorhanden ist. Es bleibt zu hoffen, dass die Industrieländer nicht ein weiteres Mal auf Kosten der armen Länder handeln und Verantwortung zeigen.

Toner