Natur- und Umweltschutz wurden in den USA lange Zeit stiefmütterlich behandelt. Während es in Europa seit den 1970er Jahren eine Umweltbewegung gibt, ist jenseits des Atlantiks erst in den letzten Jahren ein Bewusstsein für diese Thematik entstanden. Wer sich für eine nachhaltige Landwirtschaft einsetzte, galt noch vor einem Jahrzehnt als grüner Spinner. Doch als die vermeintlich unbegrenzten Ressourcen immer mehr Probleme bereiteten, setzte ein Umdenken ein.

Die Great Plains sind die Kornkammer der USA und haben eine immense Bedeutung. Trotzdem hat man dort lange Zeit völlig rücksichtslos gewirtschaftet. Dies hat zu Bodenerosion geführt und damit die Fruchtbarkeit der Ackerflächen verringert. Das Land wurde ausgebeutet ohne Rücksicht auf Verluste. Erst als die Kosten für die Wiederherstellung der Felder so groß wurden, dass sie die Gewinne deutlich minderten, änderten die Farmer ihr Verhalten. Heute setzen viele amerikanische Bauern auf ökologisch verträglichen Anbau. Sie versuchen die Landschaft zu erhalten, die für ihr Einkommen sorgt.

Im Vergleich zur EU ist jedoch in den USA ein völlig anderes Verständnis von Umweltschutz vorhanden. So gibt es z.B. keine ernsthaften Bedenken bei den Entscheidungsträgern, genmanipulierte Pflanzen anzubauen. Die wirtschaftlichen Vorteile sorgen dafür, dass sämtliche Gefahren, die von Umweltschützern angeführt werden, unbedeutend bleiben.

Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass es in den USA schon früh Nationalparks gab. Ketzerisch könnte man vielleicht hinzufügen, dass diese Nationalparks nur deswegen auch heute noch existieren, weil es dort keine Bodenschätze gibt. Aber das würde zu kurz greifen. Die Amerikaner sind stolz auf ihr Land und wollen es ebenso erhalten wie die Menschen anderswo auf der Welt. Problematisch wird es nur, wenn wirtschaftliche Interessen entstehen. In der Vergangenheit war die Verlockung des Profits leider oft wichtiger als die Aussicht, eine Naturlandschaft erhalten zu können.

Die Europäer sollten sich jedoch nicht auf ein zu hohes Ross setzen. Die deutschen Urwälder sind bereits im Mittelalter gefällt worden. Die wenigen großen Wälder, die heute noch existieren, sind nur ein Überbleibsel. Einst war das ganze Land bewaldet. In anderen Staaten war dies nicht anders. Es ist also wohlfeil, aus Europa den USA einen Vorwurf zu machen.

Es war übrigens der Film „Eine unangenehme Wahrheit“ von Al Gore, der mit einem Schlag dafür gesorgt hat, dass der Klimaschutz in den USA wichtig geworden ist. Seitdem hat sich vieles getan, doch erst die Zeit wird zeigen, ob tatsächlich durch neue Technologen und einen anderen Umgang mit der Natur eine echte Veränderung stattfinden wird. Wünschenswert ist es in jedem Falle.